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Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Börsen

Updated: Mar 30, 2022

Was vor einiger Zeit für die meisten Menschen noch unvorstellbar war, ist mittlerweile traurige Realität geworden: Der Krieg ist zurück in Europa und er bringt unendliches menschliches Leid mit sich. Unser Mitgefühl gilt daher selbstverständlich in erster Linie den Betroffenen. Neben der humanitären Katastrophe, die dieser Krieg auslöst und die in jedem Fall höchste Priorität haben sollte, gibt es aber auch verheerende wirtschaftliche Auswirkungen, die Anleger verunsichern und viele Fragen aufwerfen. Wir versuchen einige davon zu beantworten.



Sanktionen gegen Russland - welche Bereiche sind betroffen?

Als Reaktion auf Russlands Invasion in die Ukraine haben zahlreiche Länder Sanktionen mit großer Tragweite auf den Weg gebracht. Besonders hart treffen Russland die Maßnahmen im Finanzsektor. So wurden russische Banken aus dem internationalen Finanz-Kommunikationssystem Swift ausgeschlossen und sind damit von internationalen Finanzströmen abgeschnitten. Des Weiteren wurde etwa die Hälfte der Reserven der russischen Zentralbank geblockt, um eine Stützung des Rubel-Wechselkurses durch diese Reserven zu verhindern. Ebenso wurden die Vermögen zahlreicher Geschäftsbanken eingefroren, Geschäfte mit ihnen verboten. Weiterführend betreffen die Sanktionen auch den Energiesektor, den Verkehrssektor sowie Technologiesektor. So dürfen bestimmte Güter und Technologien nicht mehr nach Russland geliefert oder verkauft werden u. a. betreffend die Ölveredelung, die Luft- und Raumfahrt oder die High-Tech-Industrie. Der Luftraum der EU-Länder wurde zudem für russische Flugzeuge gesperrt. Neben den Maßnahmen vieler Länder hat auch eine große Anzahl internationaler Unternehmen erklärt, ihre Tätigkeiten in Russland vorerst auf Eis zu legen oder sich gänzlich aus dem Russland-Geschäft zurückzuziehen.


Welche Auswirkungen haben die Sanktionen auf die russische Wirtschaft?

Infolge der weitreichenden Sanktionen befindet sich der russische Rubel seit einiger Zeit im Sinkflug und verlor bereits 40 % seines Wertes gegenüber dem US-Dollar. Lieferketten sind zudem unterbrochen und führen zu Produktionsausfällen. Infolgedessen stiegen die Preise für Lebensmittel und Konsumgüter bereits um ein Vielfaches. Da sich Unternehmen mehr und mehr aus Russland zurückziehen, steigt die Angst vor Versorgungsengpässen und weiteren Preisexplosionen. Außerdem ist das Risiko einer Staatsschuldenpleite immens hoch, da Russland seine Schulden bei Gläubigern aufgrund der Sanktionen voraussichtlich nicht bedienen wird, was wiederum problematisch für internationale Investoren werden kann.


Was passiert mit russischen Aktien?

Seit Beginn des Krieges haben russische Aktien massive Kursabstürze um teilweise sogar 90 % verzeichnet. Darauf folgte zunächst ein Verkaufsverbot russischer Aktien für Ausländer seitens des Kremls, um die extremen Abverkäufe zu stoppen. Mittlerweile wurde der Handel mit russischen Aktien, Anleihen und Derivaten aber auf vielen internationalen Handelsplätzen wie der deutschen Börse, der NYSE oder dem NASDAQ komplett ausgesetzt - weder Kauf noch Verkauf sind aktuell möglich. Damit haben Anleger derzeit keine Möglichkeit mehr, entsprechende Titel aus ihrem Portfolio zu verbannen und können nur abwarten. Zwar kann es somit vorerst auch zu keinen weiteren Abverkäufen kommen. Inwieweit sich die stark angeschlagenen Titel aber erholen, wenn der Handel wieder freigeschaltet werden sollte, ist jedoch ebenso fraglich. Angesichts der harten Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft und dem freien Fall des Rubels, scheint die Lage auf nicht absehbare Zeit angespannt zu bleiben.


Welche Auswirkungen auf Indizes, Fonds und ETFs gibt es?

Neben Einzeltiteln, die stark an Wert verloren haben, treffen die Auswirkungen des Konflikts auch ganze Indizes. So hat sich der Anteil russischer Aktien am MSCI Emerging Markets Index von ca. 3,2 % im Januar mittlerweile aufgrund der massiven Abverkäufe und daraus resultierenden sinkenden Marktkapitalisierung halbiert. In Konsequenz haben erste Finanzdienstleister wie MSCI oder FTSE mit der Streichung sämtlicher Russland-Werte aus den entsprechenden Indizes reagiert. Des Weiteren sind zahlreiche Fonds und ETFs mit Russland-Fokus von den Sanktionen betroffen und ihre Anteile nicht mehr handelbar. Auch hier haben Anleger also derzeit keine Möglichkeit, neue Anteile zu kaufen oder Anteile abzustoßen. Betroffen sind u. a. der iShares MSCI Russia ETF, die ETFs von HSBC und Lyxor auf den MSCI Russia Index, die Russland Fonds von JP Morgan sowie russland-bezogene Fonds von DWS, Franklin Templeton oder UBS Asset Management. Ebenso wenig haben die jeweiligen Fonds- und ETF-Anbieter derzeit die Möglichkeit, die Anteile loszuwerden. Es bleibt ihnen daher aktuell nur abzuwarten, bis ein Handel wieder möglich ist, oder die Position komplett aus dem Portfolio zu streichen und damit auf 0 zu setzen. Letztere Variante scheint angesichts der bereits erfolgten Streichung der Russland-Werte aus verschiedenen Indizes als logische Konsequenz. Während dieses Vorgehen bei breiter diversifizierten Fonds und ETFs z. B. auf den MSCI Emerging Markets Index von anderen Titeln "abgefedert" werden kann und für Anleger geringere Konsequenzen birgt, so droht Investoren reiner Russland-ETFs oder Fonds der Totalverlust.


Was passiert mit russischen Anleihen?

Nachdem zahlreiche Inhaber russischer Anleihen ihre Papiere abgestoßen haben, sind nun auch russische Bonds vom Handel ausgeschlossen, sodass diese von Anlegern nicht mehr zurückgegeben werden können. Ebenfalls ist zu erwarten, dass die Anleihen russischer Unternehmen nach und nach aus den Anleihen-Indizes ausgeschlossen werden. Auch hier haben Anleger also keine Möglichkeit mehr aktiv einzugreifen und müssen im schlimmsten Fall mit Totalverlust rechnen, sollte ihr Portfolio hauptsächlich aus russischen Bonds bestehen.


Was können Anleger in dieser Situation tun?

Der Handlungsspielraum für Anleger, die Aktien, Fonds, ETFs oder Anleihen mit Russland-Bezug halten, ist begrenzt. Ihnen sind derzeit die Hände gebunden, sodass nur Abwarten und das Hoffen auf eine schnelle Deeskalation der Lage bleibt. Allerdings zeigt die derzeitige Situation, wie sehr geopolitische Entwicklungen Einfluss auf den Kapitalmarkt nehmen können und wie gefährlich eine zu starke Konzentration auf bestimmte Regionen im Portfolio sein kann. Wer sein Portfolio hingegen breiter diversifiziert, ist in dieser Zeit besser abgesichert und weitaus weniger vom Sinkflug russischer Titel betroffen. Dennoch hat dieser Krieg auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und Unternehmen anderer Länder. Ist also vielleicht sogar mit einem kompletten Crash des Finanzmarkts zu rechnen? Ausgeschlossen werden kann dies nicht. Auch auf internationaler Ebene kam es seit Kriegsbeginn zu starken Abverkäufen. Die Kurse vieler Unternehmen konnten zwar zwischenzeitlich einen Boden bilden und sich etwas stabilisieren. Die Gefahr weiterer Abverkäufe besteht dennoch. Sollte man also vorsichtshalber direkt alles verkaufen? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich der Markt nach Krisen immer wieder erholt und neue Allzeithochs verzeichnet hat. Am Ende haben also diejenigen profitiert, die die Ruhe bewahrt und die Krise einfach ausgesessen haben. Ein Sprichwort geht noch einen Schritt weiter und besagt "Kaufen, wenn die Kanonen donnern." Soll heißen, dass sich kriegerische Auseinandersetzungen in der Vergangenheit als gute Einstiegszeitpunkte für Investoren herausgestellt haben. Doch auch hier sollten sich Anleger der Gefahren von Stockpicking bewusst sein und sich am besten breit diversifiziert aufstellen.



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